Industrie 4.0 macht jetzt ernst: Augmented Reality (AR) hält Einzug in Energiekraftwerke.

Industrie 4.0, also die Verzahnung von industrieller Produktion mit moderner Informations- und Kommunikationstechnik, ist in aller Munde, doch wie können deutsche Energieversorger diese neue Welle an Innovationen zu ihrem Vorteil nutzen?

Viel wurde schon von Industrie 4.0 Initiativen gesprochen die eine neue industrielle Revolution einleiten sollen, doch jetzt wird in der Energiewirtschaft Ernst gemacht.  „Die Energiewirtschaft ist eine der Schaltzentralen für die Digitalisierung. Sie ist die Branche, die Kompetenz in den Bereichen Industrie 4.0, Vernetzung der Dinge und Transformation der Energiesysteme von fossilen hin zu erneuerbaren Energien hat. Dies sind die drei großen Zukunftsthemen, die derzeit international diskutiert werden„, meint Johannes Kempmann, Präsident des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) mit Recht, und das internationale Beratungsunternehmen PWC kommt in vielbeachteten Studie „Deutschlands Energie­versorger werden digital“ zum Schluß, dass die Energiewirtschaft das Thema klar erkannt hat, aber in vielen Bereichen noch akuter Handlungsbedarf besteht. Zu diesem Schluß kommt auch Deutschland’s bekanntester Energieblogger Andreas Kühl in seinem Artikel.

Was die Digitalisierung bringen soll

Kein industrieller Zweig kann sich um das Thema Digitalisierung vorbeischleichen, zu fundamental verändert sich das Umfeld, in dem es zukünftig zu bestehen gilt. Eines gilt jedoch als gesichert: die vierte industrielle Revolution wird die Energiewirtschaft radikal verändern.

Wien, sonst eher für seine Sehenswürdigkeiten bekannt, konnte zu Beginn des Jahres mit einem spannenden Projekt einen Ausblick auf einen Bereich der Zukunft von Energieversorgern geben. Wien Energie, der größte regionale Energieprovider Österreichs hatte im Rahmen seiner „Innovation Challenge“ das österreichische Startup ViewAR beauftragt, einen Proof-of-concept zu erstellen, der es in sich hat. Ziel war, die Fähigkeiten der von Augmented Reality via Microsoft HoloLens im Umfeld eines Energiekraftwerks zu testen, um Einsparungspotenziale im Bereich Maintenance 4.0 auszuloten. Was als erster kleiner AR-Versuch begann, lieferte überraschende Ergebnisse, die nun Schritt für Schritt in strategischen Maßnahmen im ganzen Konzern ausgerollt werden.

Vernetzung von Informationen

Zur Erinnerung: Augmented Reality Anwendungen erlauben die Darstellung der Realität, erweitert um nützliche Informationen, die effizientere Prozesse ermöglichen und die Kommunikation daher um einiges effektiver macht. Ein solcher Prozess ist zum Beispiel die Wartung von Kraftwerksturbinen. In der Praxis hat der Wartungsdienst vielfältige Herausforderungen zu bewältigen, da nicht alle relevanten Wartungsdaten am Ort der Wartungsarbeit zur Verfügung stehen. ViewAR löste für Wien Energie genau dieses Problem durch die Bereitstellung und Vernetzung von Daten via Datenbrille, und das in einem „hands-free“ Ansatz.

Solche mobilen Anwendungen für den technischen Wartungsdienst ermöglichen aber nicht nur eine effizientere Wartung, sie bieten auch eine höchst funktionelle Indoor Navigation durch sogenannte „Way-points“ an und erlauben auch „Remote Assistance“, also die Zuschaltung von fachlicher Kompetenz via Stream. Das kann speziell in kritischen Situationen oder Umfeldern zu einem merklichen Unterschied zu herkömmlichen Prozessen führen. Das Zusammenspiel von internem wie externem Know-how ist hier von entscheidender Wichtigkeit, gilt es doch, zB bei einem Ausfall einer Turbine, so schnell wie möglich wieder am Netz zu sein. Anwendungsgebiete mit spürbaren Auswirkungen auf das gesamte Unternehmensumfeld gibt es viele. Hier eine, bei weitem nicht vollständige, Liste der Vorteile, die im Rahmen des Augmented Reality Projekts identifiziert wurden:

  • In-time Expertenwissen (Rasche Zuschaltung von Remote-Experten in kritischen Situationen)
  • Dokumentation (Effiziente digitalisierte Dokumentation aller Wartungsarbeiten und begleitenden Maßnahmen)
  • Entscheidungsgrundlagen (Verfügbarkeit aller relevanten Informationen für Entscheidungsfindung am Ort des Geschehens)
  • Hands-free Ansatz (Uneingeschränkter Einsatz der Hände)
  • Fehlerreduktion (Spürbare Reduzierung von Fehlern auf Grund von „digitalem Lernen“)
  • Aus- und Fortbildung (Digitales dokumentiertes Wissensmanagement für alle Bereiche der Arbeit)Wir beraten gerne zum Thema Industrie 4.0

Wohin uns dieser Weg führt

Dieses Projekt aus Wien zeigt möglicherweise nur einen kleinen Ausschnitt des vorhandenen Potenzials, aber beweist in jedem Fall etwas Wichtiges, nämlich, dass Maintenance 4.0 keine Fiktion mehr ist. Obwohl es vielen Energieversorgern sehr ernst mit der Digitalisierung ist, fehlt es noch viel an strategischer Einsicht, speziell was die Priorisierung der Milestones auf einer möglichen Roadmap betrifft. Neue digitale Unternehmenskulturen zu schaffen bedeutet, Geld und Zeit in die Hand zu nehmen, um nachhaltige Strukturen zu verankern. Keine leichte Aufgabe, aber machbar.

Jedenfalls drängt die Zeit um den Anschluss nicht zu verpassen und deshalb bietet es sich für Energieversorger an, über neue Kooperation nachzudenken. Die etablierte Wien Energie und das innovative Augmented Reality Startup ViewAR sind so ein Beispiel einer Win/Win Situation, die als Vorbild dienen kann. PWC hat in seiner Studie die wichtigsten Bereiche genannt, in denen die Digitalisierung spürbare langfristige Vorteile bringen wird, Maintenance 4.0 sollte jedenfalls prominent gereiht sein, wenn Roadmaps in die nächste industrielle Revolution führen.

 About ViewAR. ViewAR™ aus Österreich ist ein weltweit führender Anbieter für Augmented Reality und hat für seine Technologie mehrere Preise gewonnen, darunter den Auggie Award 2016 für die weltbeste AR App und den Wirtschaftsoskar 2017, verliehen von der WKO.